Straßentheater zur Unterstützung von Folteropfern am 26.06.2009
Internationaler Tag der UN zur Unterstützung der Opfer von Folter und Misshandlung

Hamburg am Freitagmittag in der Mönckebergstraße: Eine Person kniet gekrümmt auf dem Boden. Zwei Personen schlagen brutal auf offener Straße auf sie ein - ohne Erbarmen. Die Passanten bleiben kurz stehen, grübeln, einige wollen helfen, aber die Meisten gehen weiter. „Gefoltert wird überall rund um den Globus - in staatlichem Auftrag, durch Kriminelle oder ganz privat. Jedes Jahr werden nach offiziellen Angaben so viele Frauen durch Misshandlungen getötet, wie Amerikaner im gesamten Vietnam-Krieg umkamen“, mit ruhiger aber kraftvoller Stimme gibt eine Vertreterin von Amnesty International Fakten der Folter, Grausamkeit und des Todes in der Welt durch ein Megaphon, und verteilt Flyer. „Ein Sechstel der Menschheit leidet permanent Hunger, alle drei Sekunden stirbt ein Kind, 42 Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht vor Hunger und Gewalt“; ihnen allen wird - wie in Artikel 5 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte benannt - grausame, unmenschliche und erniedrigender Behandlung zuteil.

Es ist der 26.06.2009, Internationaler Tag der UN zur Unterstützung der Opfer von Folter und Misshandlung. Der Arbeitskreis Öffentlichkeit hat sich zusammen mit Schauspielstudenten des Bühnenstudios der Darstellenden Künste Hamburg auf sehr eindringliche Weise die Folter zum Thema gemacht. Mit Gedichten von Erich Fried, Gesang und Texten von Bertolt Brecht, Dea Loher und Gerhard Polt mischten die angehenden Schauspieler mit kurzen realistisch wirkenden Performances die Mönkebergstraße, Reesendammbrücke und Spitalerstraße auf. Swaantje Becker, Arash Beigi, Annika Bieck, Peter Burkart, Stefanie Dahmen, Juliane Funke, Christina-Maria von Gusinski, Lena Lorenz, Anika Newjoto, Alexander Obe und Alena Oellerich hatten unter Anleitung von Ben Soyka Impressionen und Dialoge erarbeitet, die das Leid, die Erniedrigung und Qual vieler Folteropfer sehr packend zum Ausdruck brachten. Zwischen den Hamburger Passanten inszenierten sie Situationen, wie sie überall in der Welt täglich geschehen, weil gegen grundlegende Menschenrechte verstoßen wird.

Auch am Folgetag, dem 27.06.2009, wurde der Stand der Gruppe 1171 am Schulterblatt durch Straßentheaterszenen der Schauspieler unterstützt. Auf dem Boden liegt jemand wie leblos. Ohne Aussparungen werden die Gedanken und Taten menschlicher Grausamkeit durch die Worte der Täter veranschaulicht. Das unbeschwerte Flanieren und Kaffeeschlürfen wurde für ein paar Minuten auf der „Piazza“ durchbrochen. Das Straßentheater löste Irritation, aber auch Fragen und Interesse seitens der Passanten aus. Den Bezug zur aktuellen Situation in der Welt schiebt ai zwischen den Szenen ein.
Die Konfrontation mit der Thematik erbrachte Amnesty International einige weitere Unterschriften für die Petitionen der von 1171 betreuten Einzelfälle aus Syrien und Algerien zur Freilassung von Kamal al-Labwani, Riad Seif und Malik Medjnoun. Auch sie werden unter widrigen Haftbedingungen und zum Teil unter Folter oder ohne Anklage festgehalten.
„Ein Hund - der stirbt - und der weiß - daß er stirbt - wie ein Hund -- und der sagen kann - daß er weiß - daß er stirbt - wie ein Hund - ist ein Mensch“ (Erich Fried im Gedicht „Definition“)