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Mitteilungen und Berichte von Amnesty Deutschland: |
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28. Mai 2011 - 50 Jahre Amnesty International
50 Jahre Amnesty International - und kein bisschen leise!
Am 28. Mai feiert Amnesty International das 50-jährige Bestehen – die Gelegenheit für Events, Spektakel, Konzerte und vieles mehr. Doch das Jubiläum versteht sich vor allem als Sprungbrett für die Menschenrechte.
Vor 50 Jahren wurden zwei portugiesische Studenten verhaftet und ins Gefängnis gesteckt, weil sie öffentlich auf die Freiheit angestoßen hatten. Für den britischen Anwalt Peter Benenson war das der Anlass, um seiner Empörung Ausdruck zu verleihen. Am 28. Mai 1961 veröffentlichte er einen «Appeal for Amnesty», in dem er seine Mitbürgerinnen und Mitbürger dazu aufrief, Regierungen Protestbriefe für die Freilassung von sechs Gewissensgefangenen zu schreiben – und gab damit den Anstoß für die Geburt von Amnesty International.
Am 28. Mai 2011 soll erneut auf die Freiheit angestoßen werden, diesmal, um das 50-jährige Bestehen von Amnesty International zu feiern. Die Menschenrechtsorganisation begeht dieses Jubiläum feierlich; das Ziel ist aber vor allen Dingen, dass es zum Sprungbrett für die Verteidigung der Menschenrechte wird. Amnesty will sich nicht einfach selbst feiern, sondern will den weltweiten Einsatz gegen die Verletzung von Menschenrechten fördern.
Amnesty International engagiert sich seit 50 Jahren für den Schutz von Menschenrechten. Menschenrechtsarbeit braucht viel Ausdauer und Geduld, schnelle Erfolge gibt es selten. Menschenrechtsschutz kann nur dann wirkungsvoll sein, wenn sich möglichst viele Personen für die Einhaltung ihrer Rechte und die der anderen einsetzen. Engagement beginnt im eigenen Umfeld und geht bis zu Aktivitäten in Organisationen, die sich lokal oder auch international für Menschenrechte einsetzen.
Über die Jahre hat sich das Gesicht der Organisation verändert. Ganz am Anfang setzte sich Amnesty in erster Linie für Gewissensgefangene ein, die inhaftiert wurden, weil sie ihre Meinung öffentlich kundgetan hatten. Später umfasste das Engagement auch den Kampf gegen die Todesstrafe, gegen Folter und das Verschwindenlassen. Im Verlauf der Jahre weiteten sich die Arbeitsgebiete aus und erstrecken sich heute auch auf die Rechte der Frauen, den Kampf gegen die Straflosigkeit, die Respektierung der Menschenrechte in bewaffneten Konflikten, die Rechte von Flüchtlingen sowie auf wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Die weltweite Kampagne «Für ein Leben in Würde» zielt darauf ab, gegen die Diskriminierung anzugehen, welche Menschen in Armut stürzt und sie darin festhält.
Deshalb lehnen wir uns auch nach 50 Jahren nicht zurück. 50 Jahre sind für uns kein Grund, zu glauben, dass die Sturm und Drangjahre vorüber sind. Aber Grund genug zu handeln: Denn die Grundwerte des menschlichen Zusammenlebens sind nach wie vor weltweit in Bedrängnis.
Anfänge von Amnesty International in Hamburg
Die Anfänge von AMNESTY INTERNATIONAL in Hamburg
Es war das 1. Mal, dass ich im Herbst 1965 als Vikar im berühmten großen Kaminkreis von Pastor Körber in St. Johannis, Hamburg-Eppendorf die Bibelstunde halten durfte. Ich hatte mich also eifrig vorbereitet und sogar einen guten Zweck für die übliche Kollekte herausgesucht. Zum Abendbrot kurz vor dem Aufbruch zur großen Tat hörte ich wie immer das „Echo des Tages“ im NWDR – da kam ein Beitrag von Dr. Wandschneider: Er berichtete von einer neuen Menschenrechtsbewegung. Sie war angeregt worden von dem englischen Rechtsanwalt Peter Benenson. Der hatte 1961 in Portugal von zwei Studenten erfahren, die in einem Lissabonner Cafe auf die Freiheit angestoßen hatten, verhaftet und zu sieben Jahren Haft verurteilt worden waren. Dies hatte ihn so empört, dass er in der Londoner Zeitung „The Observer“ einen Artikel darüber schrieb mit dem Titel „The forgotten prisoners“. Der hatte eine solche Wirkung, dass sich viele zusammentaten, um solchen Gewissensgefangenen eine Stimme zu verleihen und für ihre Amnestie einzutreten. amnesty international war geboren. Davon hatten auch deutsche Journalisten gehört und durch Anregung von Gerd Ruge 1962 eine deutsche Sektion in Köln gegründet, zu der auch Dr. Wandschneider gestoßen war und nun davon berichtete.
Dieser Beitrag hatte großen Eindruck auf mich gemacht, so dass ich beschloss, die Kollekte des Abends dafür zu erbitten, wollte aber erst noch einmal Genaueres darüber hören. So steckte ich die 50 Mark ein und besuchte Dr. Wandschneider in seinem Büro. Seine klaren und freundlichen Ausführungen überzeugten mich, ich übergab ihm die Kollekte und wollte mich verabschieden, da fragte er mich, ob ich nicht mithelfen wolle, amnesty hier in Hamburg aufzubauen.
Schwieriger Start Das habe ich dann getan, habe Plakatständer bei der SPD ausgeliehen, Plakate gemalt und zu Informationsveranstaltungen ins Audimax eingeladen. Aber der Erfolg blieb sehr mäßig. Wenige Interessierte hinterließen ihre Adresse oder eine kleine Spende. Nach einigen Monaten meldete sich Dirk Börner und wollte gleich kräftig loslegen. Das passte insofern gut, als ich nun etwa 15 Namen zusammen hatte und so trafen wir uns das erste Mal. Aus diesem Treffen und den Aktionen, die auch von Frau Wandschneider ausgegangen waren, entwickelte sich die Arbeit für amnesty in Hamburg.
Erste Aktionen Eine erste viel versprechende Aktion ergab sich aus der Anregung von Rosemarie Bollinger, die mich um ein Treffen mit einem Freund bat. Wir trafen uns dann mit dem Journalisten Freimut Duve. Der schlug vor, monatlich eine Rubrik in verschiedenen Zeitungen einzurichten, in der jeweils drei „Gefangene des Monats“ vorgestellt werden sollten und Adressen, an die man sich als Leser wenden könne, um für sie einzutreten. Diese Rubrik gab es dann jahrelang in vielen Zeitungen, u.a. in der Frankfurter Rundschau.
„Gefangener des Monats“ An der 1. internationalen Tagung von amnesty 1966 in Kopenhagen nahm ich mit dem Ehepaar Wandschneider, Hillary Cartwright, M. Biermann, Carola Stern u.a. teil. Im Vorstand ging es besonders um Martin Ennels und die Frage, ob er als früherer Mitarbeiter im Geheimdienst Englands Generalsekretär von amnesty bleiben könne – er ist es geblieben. Im Plenum hielt Peter Benenson einen Vortrag über die Menschenrechtslage in verschiedenen Ländern (die ihm die Tränen in die Augen trieb). Aus vielen Vorschlägen wurde als Symbol von amnesty die mit Stacheldraht umwickelte Kerze festgelegt und die Frage entschieden, welche Gewissens-Gefangenen adoptiert werden sollten, vor allem in Bezug auf die Gewaltfrage.
Grundsatz Gewaltfrage Schnell war klar, dass solche, die Gewalt gegen Menschen angewandt hatten, nicht betreut werden könnten. Ich war dafür, auch solche zu adoptieren, die Gewalt gegen Sachen angewandt hatten, um auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen, sah aber das Argument ein, das dies von Gewalt gegen Menschen nicht immer zu trennen ist und wir uns auf eine Gruppe beschränken müssten. Diese Frage ist immer wieder aufgebrochen und hat zu großen Auseinandersetzungen geführt. In den 70er Jahren wurde sie dann dahin beantwortet, dass bei Folteropfern alle in die Betreuung aufgenommen wurden. In den 60er Jahren lief die Arbeit nur sehr mühsam an, das lag wohl auch daran, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse vor 1968 ganz andere waren: amnesty galt im besten Falle als Gesellschaft von merkwürdigen Weltverbesserern. Und da das dreier Prinzip galt, nach der jede Arbeitsgruppe je einen Gefangenen aus der Dritten Welt, dem östliche und dem westlichen Lager zur Bearbeitung zugewiesen bekam, kam auch der Westen ins Visier und die Verfehlungen gegen die Menschenrechte, die hier geschahen. Das führte schnell zum Vorwurf, hier wären kommunistische Umtriebe am Werke. Das änderte sich erst um 1970, als z.B. Siegfried Lenz einen Buchpreis für amnesty stiftete und die Frau von Bundespräsident Heinemann jede Gelegenheit wahrnahm, für amnesty einzutreten.
Zwischen Argwohn und Anerkennung Diese steigende Anerkennung brachte das lange vermisste Interesse vieler, die mitarbeiten wollten – aber auch eine Steigerung der anfallenden Arbeit: Gruppen wurden überall gebildet, denen je drei Gefangene zugewiesen werden mussten. Die entsprechenden Informationen mussten eingeholt und Hilfen erteilt, Länderinformationen und –adressen besorgt und die Korrespondenz mit London erledigt werden – und all da ehrenamtlich! Bei Frau Wandschneider in der Wohnung liefen alle Fäden (und bergeweise Unterlagen) zusammen – bis Dirk Börner, der sich immer mehr engagierte, 1970 vorschlug, einen hauptamtlichen Geschäftsführer einzusetzen. Dafür empfahl sich natürlich Frau Wandschneider, die bestens eingearbeitet war. Zivis wurden Mitarbeiter, Bezirksgruppen gebildet, Ländervertreter berufen, die Finanzverwaltung geordnet – alles wuchs der Wohnung in der Cranachstraße über den Kopf, so dass 1972 eigene Räume in einer Wohnung in der Beselerstraße angemietet wurden und das Büro dorthin zog. Bis 1976 ist es dort geblieben, dann zog das Büro der deutschen Sektion nach Bonn.
Mit klopfendem Hernzen Ich musste leider wegen vielfältiger Arbeit in meinem eben angetretenen Beruf als Pastor in einem Neubaugebiet in Wilhelmsburg frühzeitig aus der Mitarbeit aussteigen, habe aber amnesty auch in seinen schweren, sehr politisierten Zeiten und bis zum Eintritt meines späteren Kollegen und Gemeindenachbarn in Norderstedt Helmut Frenz als Generalsekretär der deutschen Sektion mit Gedanken und oft klopfendem Herzen begleitet.
Hamburg. 19. November 2005 Christian Matthes
Gründungsgeschichte und Kurzportrait von Peter Benenson
Ein Toast auf die Freiheit: Ein Zeitungsartikel führt 1961 zur Gründung von Amnesty International.
Am Anfang von Amnesty International steht ein Trinkspruch: Zwei Studenten stoßen in einem Café in Lissabon auf die Freiheit an. Doch in den sechziger Jahren herrscht in Portugal eine Diktatur, die keine Kritik duldet – die Erwähnung des Wortes „Freiheit“ ist verboten. Die zwei Studenten werden festgenommen und später zu sieben Jahren Haft verurteilt. 1.500 Kilometer entfernt fährt der 39-jährige Anwalt Peter Benenson im November 1960 mit der Londoner U-Bahn in seine Kanzlei, als er in der Zeitung eine Meldung über das Urteil gegen die beiden -Studenten liest. Es ist nicht das erste Mal, dass er erfährt, dass Menschen wegen ihrer Gesinnung verfolgt und eingesperrt werden. Doch die Meldung aus Lissabon geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Benenson will nicht mehr länger über solches Unrecht lesen, er will etwas tun. Er weiß nur noch nicht, wie. Dann kommt ihm ein Gedanke: „Wenn eine einzelne Person protestiert, bewirkt das nur wenig, aber wenn es viele Leute gleichzeitig tun würden, könnte es einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen“.
Am 28.Mai 1961 veröffentlicht er in der Zeitung The Observer den Artikel „The Forgotten Prisoners“, der mit den Worten beginnt: „Schlagen Sie Ihre Zeitung an irgendeinem beliebigen Tag auf, und Sie werden eine Meldung aus irgendeinem Teil der Welt lesen: Ein Mensch ist eingekerkert, gefoltert, hingerichtet worden, weil seine Ansichten oder religiösen Überzeugungen nicht mit denen der Regierung übereinstimmen.“ Benenson fordert die Leser auf, mit Appellschreiben öffentlichen Druck auf Regierungen zu machen und von ihnen die Freilassung politischer Gefangener zu fordern. Dieser „Appeal for Amnesty“ ist der Beginn von Amnesty International.
Die Resonanz ist überwältigend. 30 große Zeitungen in verschiedenen Ländern drucken den Artikel nach. Allein in den ersten Wochen melden sich mehr als Tausend interessierte Mitstreiter. Im Juli 1961 wird beschlossen, die ursprünglich auf ein Jahr angelegte internationale Kampagne in eine feste Organisation zu verwandeln. Am Ende des Jahres gibt es Sektionen in West-Deutschland, Großbritannien, Irland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Schweden, Norwegen, Australien und den USA. Im September 1962 wird auf dem internationalen Treffen in Brügge (Belgien) endgültig der Name „Amnesty International“ für die noch junge Organisation festgelegt.
Heute ist Amnesty eine weltweite Bewegung, die in über 150 Ländern vertreten ist. Über drei Millionen Mitglieder, Unterstützer und Aktivisten setzen sich dafür ein, dass auch 50 Jahre nach Benensons Appell die politischen Gefangenen dieser Welt nicht vergessen werden.
Licht ins Dunkel: Mit einer visionären Idee legte der britische Anwalt Peter Benenson 1961 den Grundstein für Amnesty International.
Gewöhnliche Menschen können Außergewöhnliches bewirken. Davon war Peter Benenson überzeugt, als er 1961 Amnesty International gründete. Der am 31. Juli 1921 in London geborene Anwalt und Politiker der Labour Partei kämpfte schon in jungen Jahren für die Menschenrechte. Er engagierte sich für die Adoption von Kindern, die dem Spanischen Bürgerkrieg entkommen waren, und für die Rettung jüdischer Flüchtlinge, die vor dem Naziregime nach England flüchteten. Später war er für die „Society of Labour Lawyers“ als Prozessbeobachter tätig.
In den ersten Jahren von Amnesty International war Benenson in allen Bereichen der Organisation tätig. Er kümmerte sich aktiv um die Beschaffung eines Großteils der Finanzmittel für die Bewegung und nahm an zahlreichen Ermittlungsreisen zu Menschenrechtsverletzungen teil. Seinem visionären Engagement ist es zu verdanken, dass aus Amnesty die größte Menschenrechtsbewegung der Welt wurde. Doch Benenson blieb stets bescheiden: „Ich möchte nicht, dass man mich mit einem Heiligenschein umgibt. Ich bin ein ganz gewöhnlicher Bürger, mit all seinen Fehlern.”
Auf die Gründung von Amnesty angesprochen, erklärte er einmal: „Früher lagen die Konzentrationslager und Höllenlöcher der Welt in Dunkelheit. Nun sind sie von der Amnesty-Kerze erleuchtet. Die Kerze im Stacheldraht. Als ich die Kerze das erste Mal anzündete, hatte ich ein altes chinesisches Sprichwort im Kopf: Es ist besser, eine Kerze anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.“ Peter Benenson starb am 25.Februar 2005 in Oxford an einer Lungenentzündung. Die von ihm angezündete Kerze brennt heute noch.
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